Digitale Buchungssysteme für Friseure im Vergleich

Auf einen Blick
  • 35–45 % aller Termin­buchungen erfolgen außerhalb der Öffnungszeiten – Online-Buchung ist kein Luxus
  • Treatwell (Marktplatz) und Timify (eigene Website) lösen unterschiedliche Probleme
  • Fresha/Shedul bietet einen kostenlosen Einstieg – Einnahmen entstehen über Premium-Features
  • Phorest ist die Vollösung für größere Salons mit Kassenschnittstelle und CRM
  • Die beste Strategie: Marktplatz für Neukunden + eigenes System für Stammkunden

Wer seinen Salon heute noch ausschließlich telefonisch buchen lässt, verliert jeden Abend Kunden an die Konkurrenz. Laut Branchendaten buchen 35–45 % aller Salontermine außerhalb der regulären Öffnungszeiten – also abends, nachts oder am Wochenende, wenn das Telefon niemand abnimmt. Gleichzeitig senkt ein gutes Buchungssystem mit automatischen Erinnerungen die No-Show-Rate um 30–50 %. Die richtige Systemwahl hängt dabei stark von Ihren individuellen Zielen ab: Wollen Sie primär bestehende Stammkunden verwalten oder aktiv neue Kunden gewinnen?

Warum Online-Buchung mehr als Komfort ist

Online-Buchungssysteme lösen drei konkrete Probleme gleichzeitig:

Problem 1: Telefonunterbrechungen während der Arbeit. Jedes Mal, wenn Sie oder Ihre Mitarbeiter den Kamm aus der Hand legen, um ans Telefon zu gehen, kostet das Zeit, Konzentration und Qualität. Ein Buchungssystem übernimmt diese Verwaltungsarbeit automatisch.

Problem 2: No-Shows. Automatische Erinnerungs-SMS oder -E-Mails 24 und 2 Stunden vor dem Termin reduzieren No-Shows erheblich. Manche Systeme erlauben eine Kreditkartenhinterlegung beim Buchen, sodass Ausfallgebühren automatisch berechnet werden können.

Problem 3: Sichtbarkeit außerhalb der Öffnungszeiten. Wer nachts um 23 Uhr spontan einen Termin buchen möchte, kann das nur über ein Online-System tun. Diese Buchungen gehen sonst verloren.

Timify: Der DSGVO-konforme Standard für Deutschland

Timify ist ein in Deutschland entwickeltes Buchungssystem (Sitz: München) und damit standardmäßig DSGVO-konform – kein kleines Detail in Zeiten strenger Datenschutzbehörden. Der Anbieter richtet sich an Dienstleister aller Art und hat eine starke Verbreitung bei deutschen Friseursalons.

Kernfunktionen: Buchungs-Widget für die eigene Website, Mitarbeiterverwaltung, Ressourcenplanung (Stuhl 1, Stuhl 2 usw.), automatische E-Mail- und SMS-Erinnerungen, Kundendatenbank, Google-Kalender-Synchronisation.

Kosten: Starter (kostenlos, begrenzt) / Premium ca. 29 €/Monat / Enterprise ca. 79 €/Monat. Die meisten mittleren Salons kommen mit der Premium-Version aus.

Schwäche: Kein eigener Marktplatz. Timify generiert keine neuen Kunden aus sich heraus – es verwaltet nur die, die bereits zu Ihnen finden. Dafür gibt es keine Provisionszahlungen.

Booksy: Der Marktplatz mit starker Community

Booksy ist ursprünglich ein polnisch-amerikanisches Unternehmen und hat sich in Deutschland, dem UK und den USA stark etabliert. Das Besondere: Booksy ist gleichzeitig Buchungssystem UND eigener Marktplatz. Kunden suchen direkt in der Booksy-App nach Salons in ihrer Stadt.

Vorteil: Neue Kunden können Ihren Salon über Booksy.com und die App finden – ohne dass Sie aktiv Werbung schalten. Das ist organische Reichweite auf einem Plattform-Marktplatz.

Kosten: Ca. 20–40 €/Monat (Flat Rate, keine Provision). Das ist ein wichtiger Unterschied zu Treatwell: Bei Booksy zahlen Sie einen Fixbetrag, unabhängig davon, wie viele Buchungen über den Marktplatz kommen.

Schwäche: Die Booksy-Marke ist stärker als Ihre eigene. Kunden buchen „bei Booksy" – nicht direkt bei Ihrem Salon. Das erschwert langfristigen Markenaufbau.

Treatwell: Marktplatz mit Provisions-Modell

Treatwell ist der bekannteste europäische Salon-Marktplatz und funktioniert nach einem anderen Preismodell: Es gibt keine Monatsgebühr, stattdessen zahlen Sie 20–30 % Provision auf jede Buchung, die über den Treatwell-Marktplatz kommt. Buchungen, die über das eigene Treatwell-Widget auf Ihrer Website kommen, sind dagegen kostenlos.

Das macht Treatwell interessant als Strategie: Nutzen Sie den Marktplatz für Neukundenakquise (hohe Provision, aber hohe Reichweite) und steuern Sie Stammkunden sukzessive auf Ihre eigene Website um (keine Provision). Dieser Ansatz wird als „Doppelstrategie" bezeichnet.

Vorteil: Sehr hohe Reichweite, bekannte Marke, kein festes Monatsbudget im Risiko.

Schwäche: Bei hohem Buchungsvolumen über den Marktplatz kann die Provision erheblich werden. Ein Salon mit 50 Treatwell-Buchungen pro Monat à 40 € zahlt bei 25 % Provision = 500 € monatlich – mehr als jedes Buchungssystem kosten würde.

Phorest, Shore, Fresha: Weitere Optionen im Überblick

Phorest: Irisches Unternehmen, vollständiges Salon-Management (Point of Sale, Kundenkartei, Marketing-Automatisierung, Lagerbestand, Buchung), 150–300 €/Monat. Empfehlung für Salons mit 5+ Stühlen und eigenem Produktverkauf.

Shore/Termino: Deutsche Alternativen, einfache Buchungssysteme ohne großen Funktionsumfang, 15–30 €/Monat. Gut für Einzel- und Zweipersonensalons, die eine einfache, günstige Lösung suchen.

Fresha (ehemals Shedul): Kostenloses Grundsystem – Einnahmen generiert Fresha über optionale Premium-Features und Marktplatz-Provisionen. Für Berufseinsteiger und sehr kleine Salons ein guter Start ohne Fixkosten.

Profi-Tipp: Die beste Kombination für wachsende Salons ist Treatwell-Marktplatz für Neukunden plus ein günstigeres eigenes System (z. B. Timify oder Shore) für Stammkunden. Neue Kunden, die über Treatwell kommen, werden aktiv auf Ihre Website-Buchung hingewiesen – nach dem zweiten Besuch haben die meisten die direkte Buchung angenommen. So sinken Ihre Treatwell-Provisionskosten mit der Zeit, während die Stammkundenbasis wächst.

Buchungssysteme im Vergleich

System Preis/Monat Eigener Marktplatz SMS-Reminder Kassenschnittstelle DSGVO-Sitz Empfehlung für
Timify 0–79 € Nein Ja Eingeschränkt Deutschland Stammkundenpflege, DSGVO-Fokus
Booksy 20–40 € (flat) Ja Ja Nein USA/EU Neukundengewinnung, Wachstum
Treatwell 0 € + 20–30 % Provision Ja (starke Reichweite) Ja Nein UK/EU Neukundenakquise (Provision beachten)
Phorest 150–300 € Nein Ja Ja (vollständig) Irland/EU Große Salons, Ketten
Shore 15–30 € Nein Ja Eingeschränkt Deutschland Kleinsalons, Einstieg
Fresha 0 € (Basic) Ja (Fresha-Marktplatz) Ja (Premium) Nein (Fresha Pay) UK Berufseinsteiger, kein Fixbudget

Häufige Fragen

Kann ich das Buchungssystem in meine bestehende Website einbinden? Fast alle Systeme bieten ein einbettbares Widget (iFrame oder JavaScript) an, das sich in jede Website integrieren lässt – egal ob Shopify, WordPress, Squarespace oder eine individuelle Seite. Timify und Booksy haben hier besonders einfache Einbindungsoptionen. Die Integration dauert in der Regel 15–30 Minuten mit einem einfachen Code-Snippet.
Was passiert, wenn ein Kunde nicht erscheint (No-Show)? Die meisten Systeme erlauben es, eine Kreditkarte bei der Buchung zu hinterlegen. Erscheint der Kunde nicht, können Sie automatisch eine Ausfallgebühr berechnen. Diese Funktion ist besonders bei teuren oder zeitintensiven Treatments (Colorationen, Extensions) empfehlenswert. Für Standard-Schnitte ist sie psychologisch oft zu viel Hürde.
Wie migriere ich meine bestehenden Kundendaten in ein neues System? Die meisten Systeme bieten CSV-Import-Funktionen. Exportieren Sie Ihre bestehende Kundenliste aus Ihrem alten System (oder aus Excel) und importieren Sie sie direkt. Die wichtigsten Felder: Name, E-Mail, Telefonnummer, Geburtstag, letzte Behandlung. Bei komplexen Migrationen bieten Phorest und Booksy Unterstützung durch ihr Onboarding-Team.
Wie hoch ist der Aufwand für die Einrichtung eines Buchungssystems? Für einfache Systeme (Timify, Shore, Fresha) rechnen Sie mit 2–4 Stunden für die Grundeinrichtung: Leistungen anlegen, Mitarbeiter anlegen, Verfügbarkeiten definieren, Widget einbinden. Phorest-Implementierungen können 1–2 Arbeitstage dauern, werden aber durch das Onboarding-Team begleitet.
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