Elektroplanung im Friseursalon: Steckdosen, Sicherungskasten & FI-Schalter | 3A Concepts
Zu wenige Steckdosen, der falsche Sicherungskasten oder ein fehlender FI-Schalter – Elektrofehler im Salon kosten Nerven, Geld und manchmal die Betriebserlaubnis. Wer frühzeitig plant, spart später viel Ärger. Denn was beim Erstausbau 200 Euro kostet, kommt nachträglich an der Fliesenwand schnell auf das Zehnfache.
Warum Elektroplanung für Salons eine eigene Disziplin ist
Ein Friseursalon ist elektrisch anspruchsvoller als die meisten Gewerberäume. Das liegt an mehreren Faktoren, die zusammentreffen: erstens der hohe Gleichzeitigkeitsbedarf durch Haartrockner, Glätteisen, Lockenwickler, Dampfgeräte und Klimaanlage; zweitens die unmittelbare Nähe von Wasser und Strom an den Waschplätzen; und drittens die gesetzlichen Anforderungen, die im Feuchtraum gelten und sich von normalen Geschäftsräumen deutlich unterscheiden.
Ein einzelner Haartrockner zieht 1.500 bis 2.200 Watt. Laufen drei davon gleichzeitig auf einem Stromkreis, löst der Leitungsschutzschalter aus – mitten im Schnitt. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern zeigt, dass die Elektroplanung für den Salon immer von einem spezialisierten Elektriker mit Kenntnissen im Gewerbebau begleitet werden sollte.
Die relevante Norm ist die DIN VDE 0100-710, die Nassräume und medizinisch genutzte Bereiche regelt, und die VDE 0100-Teil 700ff. für Bereiche mit erhöhter Gefährdung. Diese Normen schreiben unter anderem den Einsatz von Fehlerstromschutzschaltern (RCDs, sogenannte FI-Schalter) vor – ein Thema, auf das wir gleich eingehen.
Wie viele Steckdosen braucht ein Salon?
Die häufigste Klage frisch eröffneter Saloninhaber: „Wir haben zu wenige Steckdosen eingeplant." Die folgende Tabelle gibt Orientierungswerte pro Bereich – als Mindestmaß, nicht als Idealwert:
| Bereich | Mindestanzahl | Empfehlung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Frisierplatz (je Platz) | 2–3 | 4–6 | Schuko + CEE, keine Mehrfachstecker |
| Waschplatz | 1–2 | 2–3 | Zwingend FI-geschützt (RCD Typ A min.) |
| Color Bar / Mischbereich | 2–3 | 4–5 | Separate Sicherung, Schutzerde wichtig |
| Empfang / Kasse | 2–3 | 3–4 | EDV-Anlage, POS, Drucker – eigener Stromkreis sinnvoll |
| Wartebereich | 1–2 | 2–3 | USB-Charging-Steckdosen für Kunden-Komfort |
| Backstage / Lager | 2–3 | 3–4 | Technikraum: Wäschetrockner, Heizung, Router |
| Personalbereich | 2–3 | 3–4 | Mikrowelle, Kühlschrank, Wasserkocher je eigene Sicherung |
Grundregel: Jeder Frisierplatz braucht einen eigenen Stromkreis – oder zumindest je zwei Plätze auf einem 16A-Kreislauf mit FI-Schutz. Mehrfachsteckdosenleisten sind in der Praxis kaum vermeidbar, sollten aber nie dauerhaft als Ersatz für fehlende Wandsteckdosen genutzt werden.
Die Planung der Steckdosen ist eng mit der Platzierung deiner Einrichtung verknüpft. Wie du Arbeitswagen, Bedienwagen und Technik positionierst, beeinflusst direkt, wo welche Steckdosen benötigt werden – mehr dazu im Artikel zu Arbeitswagen & Bedienwagen im Salon.
FI-Schutzschalter (RCD) – Pflicht im Feuchtraum
Der Fehlerstromschutzschalter – kurz FI oder RCD (Residual Current Device) – ist das wichtigste Sicherheitselement im feuchten Salon-Umfeld. Er erkennt, wenn Strom nicht auf dem vorgesehenen Weg zurückfließt – also etwa durch einen Menschen, der einen defekten Haartrockner in nassen Händen hält. Dann trennt er den Stromkreis in Millisekunden.
Wann ist der FI-Schalter Pflicht im Salon? Die VDE 0100-410 schreibt den Einsatz von RCDs (max. 30 mA Auslösestrom) für alle Steckdosen vor, die sich in einem Abstand von bis zu 2 Metern von Wasserentnahmestellen befinden. Im Salon betrifft das praktisch alle Steckdosen am Waschplatz und im Nassbereich.
Welche FI-Typen gibt es?
- Typ AC – für reine Wechselstrom-Fehlerstrom; im modernen Salon nicht mehr ausreichend
- Typ A – Standard für Schukosteckdosen mit geregelten Verbrauchern (Haartrockner, Glätteisen); Mindestanforderung im Salon
- Typ F – zusätzlich für Hochfrequenzanteile (Frequenzumrichter, variable Geräte)
- AFDD (Lichtbogen-Fehlerschutz) – sinnvoll zusätzlich in Bereichen mit vielen Verlängerungskabeln
Nach Abschluss der Installation sollte eine Erstmessung (DGUV V3 / BGV A3) durchgeführt und ein Prüfprotokoll ausgehändigt werden. Das ist nicht nur für die Betriebssicherheit wichtig, sondern auch für Versicherung und Gewerbeaufsicht relevant.
Der Sicherungskasten: Dimensionierung für Salons
Ein kleiner Sicherungskasten mit 6–8 Stromkreisen, wie er in Privatwohnungen ausreicht, funktioniert im Salon nicht. Für einen mittleren Salon (4–6 Arbeitsplätze) sind mindestens 12–16 separate Leitungsschutzschalter (LS-Automaten) und eine 3-phasige Einspeisung (400V, Drehstrom) sinnvoll.
Separate Stromkreise sollte es mindestens geben für:
- Klimaanlage (eigene Leitung, häufig 3-phasig)
- Haartrockner / Trocknerhauben (je 1–2 Arbeitsplätze pro Kreis)
- Waschpumpe & Warmwasserbereiter
- Allgemeinbeleuchtung
- Akzentbeleuchtung / Dekolampen
- POS / Kasse / IT-Infrastruktur
- Küche / Personalraum
- Reserveautomaten für spätere Erweiterungen
Reserveautomaten klingen nach Luxus – sind aber kein Luxus. Wenn du später eine Trockenhaube, einen Sterilisator oder eine neue Kaffeemaschine hinzufügst, sparst du dir teure Nachrüstarbeiten. Plane mindestens 20–30% freie Kapazität im Sicherungskasten ein.
Besonderheiten am Waschplatz
Am Waschplatz treffen Wasser und Strom auf engstem Raum aufeinander – das ist der sicherheitskritischste Bereich des gesamten Salons. Hier gelten die strengsten Anforderungen:
- FI-Schalter (RCD Typ A, 30 mA) ist Pflicht für alle Steckdosen im Umkreis
- Steckdosen mindestens 30 cm von Wasseranschlüssen entfernt – mehr ist besser
- Wasseranschluss, Abfluss und Elektroanschluss müssen vor Ausbau koordiniert werden (Reihenfolge: erst Rohbau/Leitungen, dann Wände schließen, dann fliesen)
- Durchlauferhitzer oder Warmwasserbereiter: eigene Leitung und eigenen Sicherungsautomaten einplanen
- Wasseranschluss mit Absperrventil (leicht zugänglich, z.B. für Service)
Wie du den Waschplatz insgesamt einrichtest und welche Anschlüsse du brauchst, erklärt der Artikel Waschplatz im Salon planen ausführlich.
Normen, Genehmigungen & Abnahme
Elektroarbeiten in Gewerberäumen dürfen ausschließlich von Elektrofachbetrieben mit Eintragung in die Handwerksrolle ausgeführt werden. Ein Freund oder Bekannter mit Bastelerfahrung ist keine Option – weder versicherungsrechtlich noch für die Betriebsgenehmigung.
Was du nach Abschluss der Elektroinstallation einfordern solltest:
- Prüfprotokoll nach DGUV Vorschrift 3 (früher BGV A3) mit Mess- und Prüfwerten
- Schaltplan / Installationsplan als Unterlagen für spätere Erweiterungen
- Übergabe aller Betriebsmittel-Dokumentationen (Sicherungskasten, FI-Typen etc.)
- Abnahmeprotokoll des Elektrounternehmens
Brandschutz und elektrische Sicherheit hängen eng zusammen – defekte Kabel oder überlastete Leitungen sind eine häufige Brandursache. Den Überblick über Brandschutzanforderungen im Salon gibt der Artikel Brandschutz & Sicherheit im Friseursalon.
Für die Klimaanlage – die ebenfalls einen eigenen Elektroanschluss benötigt – empfehlen wir den Artikel Klimaanlage & Belüftung im Salon. Den vollständigen Planungsrahmen für deinen Salonausbau findest du im Friseursalon-Planungsleitfaden.
Wir koordinieren Steckdosenplanung, Technikbedarf und Installationsabfolge in unserer Gesamtplanung – damit kein Stromkreis nachträglich aufgebohrt werden muss.
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