Farbraum im Friseursalon einrichten – Farbmischregal, Belüftung und Lagerung richtig planen | 3A Concepts

Farbraum im Friseursalon einrichten – Farbmischregal, Belüftung und Lagerung richtig planen

Lesezeit: ca. 9 Minuten · 3A Concepts GmbH, Hannover

Wer Colorationen anbietet, weiß: Haarfarbe ist kein harmloses Produkt. Sie riecht intensiv, reagiert empfindlich auf Temperatur und Licht, muss sicher gelagert werden und braucht beim Anmischen Platz und Ordnung. Wer den Farbraum – also den dedizierten Bereich oder Raum für Farbmittel, Mischstation und Lagerung – nicht von Anfang an konsequent plant, kämpft täglich mit Chaos, Geruchsproblemen und Produktverlusten. Dieser Artikel zeigt, wie Sie einen funktionalen, sicheren und gut organisierten Farbraum einrichten.

Warum ein separater Farbraum Sinn macht

In vielen kleineren Salons werden Haarfarben in einem Regal neben den Frisierstühlen oder in einem Wandschrank im Hauptraum gelagert. Das funktioniert – bis es nicht mehr funktioniert. Die Nachteile dieser Lösung kumulieren sich mit wachsendem Sortiment:

  • Geruch von Oxidationsmitteln und Farbpigmenten verteilt sich im Kundenbereich
  • Kunden nehmen den Geruch als unangenehm wahr, was das Wohlbefinden beeinflusst
  • Unübersichtlichkeit führt zu Fehlgriffen, Restmengen werden nicht aufgebraucht
  • Mischarbeiten im Kundenbereich wirken unprofessionell
  • Brandschutz und Gefahrstoffvorschriften lassen sich schlechter einhalten

Ein separater Farbraum – auch als kleines Mischzimmer oder Farbkammer – löst diese Probleme strukturell. Er muss nicht groß sein, aber er muss durchdacht sein.

Wann lohnt sich ein echter Farbraum? Ab etwa 3–4 Colorationen täglich ist ein separater Farbraum empfehlenswert. Wer täglich 8 oder mehr Colorationen anbietet, kommt an ihm nicht vorbei – weder aus praktischen noch aus hygienischen und sicherheitsrelevanten Gründen.

Mindestgröße und Raumplanung für den Farbraum

Es gibt keine gesetzlich vorgeschriebene Mindestgröße für einen Farbraum im Friseursalon. Aus der Praxis heraus haben sich folgende Richtwerte etabliert:

  • Kleinstsalon (bis 3 Plätze): Eine große Wandnische oder ein Raum ab 3–4 m² ist ausreichend, wenn Mischstation, kleines Waschbecken und Regal gut angeordnet sind.
  • Mittlerer Salon (4–7 Plätze): 5–8 m² ermöglichen ein vollständiges Farbmischregal, Arbeitsfläche, Waschbecken und bequemen Bewegungsraum für eine Person.
  • Größerer Salon (8+ Plätze): Ab 10 m² können zwei Personen gleichzeitig mischen, und das Sortiment lässt sich übersichtlich auf einem Regal-System mit mehreren Ebenen unterbringen.

Die wichtigsten Grundsätze für die Raumplanung:

  • Kurze Wege vom Farbraum zu den Frisierstühlen – jede überflüssige Laufbewegung kostet Zeit
  • Waschbecken und Arbeitsfläche auf gleicher Seite, Regal gegenüber oder seitlich
  • Türbreite mindestens 80 cm, damit man mit Tabletts und Schalen problemlos durchkommt
  • Heller, blendfreier Beleuchtungsplan – Farbton-Beurteilung und Mischen erfordert gutes Licht

Das Farbmischregal: Typen, Materialien und Organisation

Das Herzstück des Farbraums ist das Farbmischregal. Es nimmt das gesamte Farbsortiment auf und muss täglichem Zugriff, Farbspritzern und dem Gewicht vieler Tuben und Flaschen standhalten.

Materialien im Vergleich

  • Lackiertes Metall: Die beste Wahl. Robust, leicht zu reinigen, korrosionsbeständig wenn beschichtet. Farbflecken lassen sich mit feuchtem Tuch entfernen.
  • Edelstahl: Hochwertig, hygienisch, teurer. Empfehlenswert für den Bereich direkt um das Waschbecken herum.
  • Laminiertes Holz (MDF): Günstig und in vielen Designs erhältlich. Problematisch bei dauerhafter Feuchtigkeit und aggressiven Reinigungsmitteln – Quellungsgefahr an den Kanten.
  • Kunststoff-Regalmodule: Leicht, flexibel und günstig. Ausreichend für leichtere Produkte, aber nicht für große Sortimente mit schweren Oxidationsmittelflaschen.

Ergonomische Höhe und Anordnung

Produkte, die täglich gebraucht werden, gehören in die Greifzone zwischen Hüft- und Schulterhöhe (ca. 80–160 cm). Oxidationsmittel und Großgebinde können unten gelagert werden, selten gebrauchte Spezialprodukte oben. Beschriften Sie jeden Stellplatz – nicht nur mit dem Produktnamen, sondern auch mit der Farbton-Nummer, damit neue Mitarbeiter sofort die richtige Position finden.

Farbton-System und Nummerierung

Viele Salons arbeiten mit farbcodierten Etiketten am Regal, die mit dem Farbton-System des Herstellers übereinstimmen. Das reduziert Griff-Fehler erheblich. Legen Sie außerdem fest, wie Restmengen markiert und innerhalb welcher Zeit aufgebraucht werden müssen.

Lagerung von Haarfarbe: Temperatur, Licht und Brandschutz

Haarfarbprodukte sind chemische Erzeugnisse und müssen entsprechend gelagert werden. Folgendes gilt als allgemeiner Standard:

  • Temperatur: Lagerung zwischen 10 und 25 Grad Celsius. Gefrierschutz und direkte Sonneneinstrahlung sind zu vermeiden. Im Sommer kann ein schlecht gelüfteter Abstellraum schnell 35 Grad oder mehr erreichen – das verkürzt die Haltbarkeit erheblich.
  • Licht: UV-Strahlung und direkte Sonneneinstrahlung verändern Farbpigmente und Oxidationsmittel. Der Farbraum sollte keine Fensterflächen ohne UV-Schutz haben.
  • Feuchtigkeit: Relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent. Zu hohe Luftfeuchte begünstigt Schimmel auf Verpackungen und beschleunigt chemische Prozesse in geöffneten Produkten.
Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) beachten: Haarfarben und Oxidationsmittel gelten als Gefahrstoffe. Sie müssen gemäß GefStoffV und TRGS 510 (Technische Regeln für Gefahrstoffe – Lagerung) sachgemäß gelagert werden. Konkret bedeutet das: getrennte Lagerung von stark oxidierenden Mitteln, Beschriftungspflicht, kein offenes Feuer oder Hitzequellen in unmittelbarer Nähe. Im Zweifelsfall fragen Sie Ihre Berufsgenossenschaft oder das zuständige Gewerbeaufsichtsamt.

Belüftungsanforderungen für den Farbraum

Das ist der Punkt, den die meisten Neugründer unterschätzen oder ganz vergessen: Ohne ausreichende Belüftung ist ein Farbraum kein angenehmer Arbeitsplatz – und gesundheitlich problematisch.

Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.6 empfiehlt für chemisch belastete Räume einen Luftwechsel von mindestens 6-fach pro Stunde, d. h. das gesamte Raumvolumen wird sechsmal pro Stunde ausgetauscht. In der Praxis bedeutet das:

  • Natürliche Lüftung (Fenster) reicht in der Regel nicht aus – außer bei sehr kleinen Räumen mit einem einzigen Mischplatz und geringer Nutzungsfrequenz.
  • Eine mechanische Lüftungsanlage (Abluftsystem) mit entsprechendem Volumenstrom ist in den meisten Fällen die richtige Lösung.
  • Abluft muss nach außen abgeführt werden, nicht in andere Salonbereiche oder in den Kundenbereich.
  • Aktivkohlefilter im Luftkreislauf können die Geruchsbelästigung deutlich reduzieren – sie ersetzen aber keine vollständige Belüftung.

Lassen Sie die Lüftungsplanung von einem Fachbetrieb berechnen und umsetzen. Das ist kein Bereich für Do-it-yourself-Lösungen.

Waschbecken und Arbeitsfläche im Farbraum

Ein separates Waschbecken im Farbraum ist aus praktischen und hygienischen Gründen unverzichtbar. Es dient zum Reinigen von Schalen, Pinseln und Handschuhen – und sollte nicht mit dem Waschbecken des Kundenbereichs geteilt werden.

Anforderungen an das Farbraum-Becken:

  • Tiefes Becken (mindestens 20 cm Beckentiefe) mit Abflussgitter, das auch dickere Rückstände auffängt
  • Edelstahl oder Sanitärkeramik – Farbstoff lässt sich von beiden gut entfernen
  • Mischbatterie mit ausziehbarem Brausekopf – erleichtert das Auswaschen von Schalen erheblich

Die Arbeitsfläche neben dem Becken sollte mindestens 60 x 60 cm groß sein und aus einem abriebfesten, chemikalienresistenten Material bestehen. HPL-beschichtete Oberflächen oder Edelstahl sind die üblichen Lösungen. Vermeiden Sie natursteinähnliche Beschichtungen – diese sind porös und nehmen Farbe auf.

Beschriftung und Bestandsmanagement für Farbmittel

Ein gut eingerichteter Farbraum verliert seinen Nutzen, wenn die Organisation nicht mitgedacht wird. Folgendes hat sich in der Praxis bewährt:

  • Feste Stellplätze: Jedes Produkt hat genau einen Platz. Rückkehr auf denselben Platz nach der Nutzung ist Pflicht – nicht Empfehlung.
  • Mindestbestandsmarkierung: Eine rote Linie oder ein Aufkleber am Regal zeigt, wann nachbestellt werden muss. Kein Produkt sollte jemals im Einsatz aufgebraucht sein, bevor Nachschub da ist.
  • Anbruchdatum notieren: Geöffnete Produkte sollten mit dem Öffnungsdatum beschriftet werden. Viele Haarfarben verlieren nach dem Öffnen der Originalverpackung innerhalb von 12 Monaten an Qualität.
  • Regelmäßige Inventur: Einmal monatlich reicht für die meisten Salons – aber es muss verlässlich passieren. Nutzen Sie eine einfache Tabelle oder das Kassensystem, wenn es Lagerverwaltung enthält.

Farbraum-Ausstattung nach Salontyp

Ausstattungselement Kleinsalon (bis 3 Plätze) Mittlerer Salon (4–6 Plätze) Grosser Salon (7+ Plätze)
Raumgrösse 3–5 m² 5–9 m² 10–18 m²
Farbmischregal 1 Wandregal, 3–4 Ebenen 2 Wandregale oder 1 grosses System Umlaufendes Regalsystem, mind. 5 Ebenen
Arbeitsfläche 60 x 60 cm 90 x 60 cm 120 x 70 cm oder mehr
Waschbecken 1 kleines Edelstahlbecken 1 tiefes Keramikbecken mit Brause 1–2 Becken, davon 1 mit Brause
Lüftung Fenster + Aktivkohlefilter Mechanische Abluftanlage Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
Beleuchtung LED-Panel, 500 Lux LED-Panel, 700 Lux, farbgetreu (Ra > 90) LED-Rasterleuchten, 800 Lux, Ra > 95
Gesamtinvestition (ca.) 1.500–4.000 € 4.000–9.000 € 9.000–20.000 €

Die Investitionssummen enthalten Mobiliar und Belüftung, jedoch keine Baukosten für Trennwände oder Raumumgestaltungen.

Wichtige Entscheidung vorab: Wird der Farbraum als eigener abgeschlossener Raum realisiert oder als abgetrennte Nische im Salonbereich? Beide Varianten sind möglich. Der abgeschlossene Raum bietet bessere Geruchs- und Sichttrennung; die Nischenlösung ist günstiger und braucht weniger Grundfläche. Sprechen Sie das frühzeitig mit Ihrem Einrichtungsplaner ab – denn Belüftungsführung und Elektroanschlüsse für Beleuchtung müssen beim Innenausbau bereits berücksichtigt werden.

Ein gut geplanter Farbraum zahlt sich schnell aus: Friseure arbeiten schneller und sicherer, Produkte werden effizienter eingesetzt, und Kunden nehmen einen frischen, geruchsfreien Salonbereich als Qualitätsmerkmal wahr. Wer bei der Salonplanung den Farbraum als eigenständigen Funktionsbereich denkt – gleichwertig mit Waschplätzen oder Empfang – hat einen wichtigen Schritt zur professionellen Einrichtung gemacht.

Farbraum als Teil Ihrer Gesamtplanung
Bei 3A Concepts integrieren wir den Farbraum von Anfang an in die Salonplanung – mit passendem Farbmischregal, Arbeitsflächen und Belüftungskonzept. Kommen Sie in unseren Showroom in Hannover oder vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch.
Jetzt Beratung anfragen