Lager & Stauraum im Salon clever planen
Ein gut geplanter Lagerbereich ist unsichtbar für Kunden – und unbezahlbar für das Team. Wer Backroom, Regalplanung und Vorratshaltung von Anfang an durchdenkt, spart täglich Zeit und Nerven.
Warum Stauraum oft unterschätzt wird
Im Eifer der Salonplanung wandert das Lager häufig ans Ende der Prioritätenliste – und landet dann buchstäblich in der Restfläche: hinter einer Tür, im Putzschrank, irgendwo. Das rächt sich schnell. Wenn Farbdosen wild gestapelt werden, Handtücher auf dem Boden landen und Gefahrstoffe neben Kaffeebechern stehen, verlierst du nicht nur Zeit – du riskierst auch Unfälle und Hygieneprobleme.
Profis denken Lager von Anfang an als eigenen Bereich. Eine einfache Faustformel: Plane 5–12 % der Nutzfläche als Lager ein. Bei einem 80-m²-Salon wären das 4–10 m² reiner Backroom – kein Luxus, sondern Minimum für einen reibungslosen Betrieb.
Was muss gelagert werden?
Bevor du Regale kaufst, lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme: Was kommt alles in den Backroom? Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Kategorien und ihre besonderen Anforderungen.
| Kategorie | Inhalt | Besonderheit |
|---|---|---|
| Verbrauchsmaterial | Farben, Oxidationen, Tücher, Handtücher, Folien, Gummis | Kühle, Lichtschutz; H₂O₂ gilt als Gefahrstoff |
| Reinigungsmittel | Desinfektionsmittel, Glasreiniger, Bodenwischzeug | Gefahrstoff-Trennung erforderlich, Belüftung sicherstellen |
| Wäsche / Handtücher (sauber) | Saubere Handtücher, Umhänge | Hygienische Lagerung, getrennt von Schmutzwäsche |
| Wäsche / Handtücher (schmutzig) | Gebrauchte Frisierumhänge, Handtücher | Schmutzwäsche-Behälter oder -Sack vorsehen |
| Retail-Vorrat | Reserve-Produkte für den Verkauf | Kühl, dunkel lagern; FIFO-Prinzip anwenden |
| Technik & Zubehör | Ersatzteile, Geräte, Ladekabel | Griffbereit und staubfrei aufbewahren |
Lager richtig anlegen
Ein Backroom ist kein Abstellraum. Damit er funktioniert, gelten ein paar klare Grundsätze:
- Backroom-Prinzip: Das Lager gehört weg vom Kundenbereich – aber mit kurzen Laufwegen zum Color-Bar und zu den Waschplätzen. Jeder Meter Laufweg kostet im Berufsalltag bares Geld.
- FIFO-Prinzip (First In, First Out): Ältere Produkte kommen nach vorne, neue werden hinten eingeräumt. So vermeidest du abgelaufene Farben und vermeidest Verluste.
- Regalhöhe: Plane Zugriff ohne Leiter bis maximal 180–200 cm. Was höher liegt, wird schlicht nicht genutzt – oder führt zu Unfällen.
- Mindestbreite der Gänge: 60–80 cm zwischen Regalen oder zwischen Regal und Wand. Enger wird es unangenehm und sicherheitskritisch.
- Beschriftung: Jedes Regalfach sollte eine klare Beschriftung haben – spätestens wenn ein neues Teammitglied den Salon betritt, zahlt sich das aus.
Mehr zur Lagerung von Farbmitteln findest du im Artikel Farbregal & Farbmittel im Salon richtig lagern.
Regaltypen im Überblick
Nicht jedes Regal passt in jeden Backroom. Die Wahl hängt vom Raumangebot, dem Budget und dem Lagerinhalt ab.
| Regaltyp | Vorteil | Nachteil | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Freistehendes Steckregal | Flexibel, günstig, schnell montiert | Kein Staubschutz, wirkt weniger hochwertig | Ja – ideal für den Backroom |
| Einbauregal in Nische | Maximale Raumnutzung, saubere Optik | Fix montiert, Umbau aufwändig und teuer | Ja – wenn von Anfang an mitgeplant |
| Schrank / Highboard mit Türen | Staub- und Sichtschutz, wirkt ordentlich | Weniger Flexibilität, höherer Preis | Ja – im Kundenbereich oder Empfang |
| Wandregal offen | Griffbereit, gute Übersicht | Staubanfällig, regelmäßige Pflege nötig | Ja – für Color Bar und Farbregale |
| Mobiles Rollregal | Flexibel verschiebbar, griffbereit | Benötigt zusätzlichen Stellplatz | Optional – als Ergänzung |
Gefahrstoffe richtig lagern
H₂O₂ (Wasserstoffperoxid / Oxidationsmittel), Entfärber, Blondiermittel und Reinigungsmittel fallen unter das Gefahrstoffrecht. Für sie gelten besondere Anforderungen:
- Getrennte Lagerung von Lebensmitteln und anderem Verbrauchsmaterial
- Ausreichende Belüftung des Lagerraums (Fenster oder mechanische Lüftung)
- Kennzeichnungspflicht: Gefahrenpiktogramme müssen lesbar sein
- Sicherheitsdatenblätter müssen für alle Gefahrstoffe vorliegen
- Maximale Lagermengen beachten (Kleinmengenregelung)
- Mitarbeiter müssen im Umgang unterwiesen sein
Rechtliche Grundlage ist die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV). Du bist als Arbeitgeber verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Alles Wichtige dazu findest du im Artikel Arbeitsschutz & Gefährdungsbeurteilung im Friseursalon. Für die konkrete Lagerung von Farbmitteln empfiehlt sich außerdem der Artikel Farbregal & Farbmittel richtig lagern.
Wäschewirtschaft im Backroom
Sauber und schmutzig müssen räumlich getrennt bleiben – das ist nicht nur Hygiene, sondern auch gesetzliche Anforderung in vielen Bundesländern. Praktisch heißt das:
- Schmutzwäsche-Sack oder -Behälter direkt im Backroom (kein Herumtragen durch den Salon)
- Sauberwäsche in geschlossenem Schrank oder auf eigenem Regalbereich – nie auf dem Boden
- Faltstation oder Ablagefläche einplanen (ein schmales Wandregal reicht oft)
- Wenn im Salon gewaschen wird: Waschmaschine im Backroom oder im Keller mit direktem Zugang
Das Thema Handtuch- und Wäschemanagement hängt eng mit dem Hygiene-Konzept des gesamten Salons zusammen. Im Friseursalon-Planungsleitfaden findest du den Gesamtüberblick.
Häufige Fehler bei der Lagerplanung
- Zu klein geplant: Das Lager wächst mit dem Sortiment – lieber 20 % mehr einplanen
- Keine Tür: Ohne Sichtschutz wirkt der Backroom unaufgeräumt und ist für Kunden sichtbar
- Keine Gefahrstoff-Trennung: Verstößt gegen die GefStoffV und ist ein Unfallrisiko
- Keine Inventurliste: Ohne System wird zu viel oder zu wenig bestellt
- Zu wenig Beleuchtung: Dunkle Ecken = Chaos und Suchaufwand
- Keine Beschriftung: Jeder Handgriff dauert länger als nötig
Von der Regalplanung bis zur Gefahrstofflagerung – wir denken Backroom und Salon als Einheit. Damit dein Team von Tag 1 effizient arbeiten kann.
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